Geht es Euch anderen Selbständigen auch so, daß die Menschen in Eurer Umgebung das, was Ihr macht, nicht immer richtig einschätzen können? Ich weiß nicht woher das kommt, aber die Anderen scheinen zu denken, daß wenn man zuhause arbeitet, man nicht richtig arbeitet. Als würde man den lieben langen Tag nichts Anderes tun, als Kaffe zu trinken. Das kann ich ja auch ein wenig verstehen, denn schließlich trinke ich ja auch Kaffee, wenn mich jemand besuchen kommt. Ich empfinde es als unhöflich, dann einfach weiter zu arbeiten. Daß ich innerlich unruhig werde, weil mir Zeit für Letzteres verloren geht, merken die Besucher ja auch nicht. Aber warum zählt nur ein 9 to 5-Job als richtige Arbeit? Was würde ich alles dafür geben, einen Raum außerhalb der privaten vier Wände zu haben. Einen Raum, sei es ein Atelier, eine Werkstatt, oder vielleicht auch ein Laden, wo ich meine Arbeit erledigen könnte. Von 9 Uhr morgens bis 5 Uhr Abends. Und wenn ich dann nach Hause komme, werden nicht mehr Anfragen per email erledigt, keine Materialeinkäufe getätigt, oder vielleicht noch das ein oder andere Produkt hergestellt …
Manchmal denke ich, diese Menschen brauchen Statistiken. Wie viele Bestellungen hat sie? Wie hoch sind die Einnahmen? Was hat sie verdient? Wie viel Zeit hat sie investiert? Aber, frage ich denn nach der Lukrativität ihrer Arbeit? Wir alle machen unseren Job. Die Hausfrau sorgt für ein schönes häusliches Umfeld, und daß die Kinder gut gedeihen, der Lehrer macht aus unseren Kindern – hoffentlich – gescheite Menschen, die Kassiererin versorgt uns mit Essen, der Busfahrer bringt uns von A nach B und der Arzt macht uns gesund. Aber was mache ich? Ist das alles nur Pillepalle, oder eine richtige Arbeit?
Ich sorge dafür, daß nette Menschen schöne Dinge ihr Eigen nennen, und daß sie ihren Lieben tolle Geschenke machen können.
Jetzt ist es viertel vor 7. Gleich frühstücke ich mit meinen Mädels, schicke die Große zur Schule und bringe die Kleine in den Kinderladen. Und danach, trinke ich meinen ersten Kaffee!