19

Sep

Jede Stimme zählt. – Ja zum Freibad!

Am 22. September findet die Bundestagswahl statt. Für die meisten ein langweiliges Thema. Ich habe früher auch meine Stimme verschenkt, weil mich Politik einfach zu wenig interessiert hat. Und wenn man zwischen Pest und Cholera wählen soll …

Mal ganz ehrlich: Die Politiker halten ihre Versprechen nur sehrsehrsehrsehr selten. Und wenn man sich mal die Wahlplakate ansieht, dann ist selbst die Forderung eines Mindestlohns von 10€ sowas von lächerlich! Welche Familie soll denn davon, nach Abzug der Steuern, ernährt werden? Früher reichte ein Vollverdiener aus. Heute sind beide Elternteile von der Arbeit so abgehetzt, daß sie sich noch nicht einmal die Zeit für ein gemeinsames Abendbrot mit den Kindern nehmen.

Der Staat will mehr Kinder? Der Staat tut unglaublich viel dafür es Erwachsenen schmackhaft zu machen, Kinder in die Welt zu setzen. Das Kindergeld, der Kita-Platz-Anspruch, gut bezahlte Elternzeit an der auch der Vater teilhaben darf. Aber warum Kinder haben, wenn einem nicht einmal die Zeit bleibt sie selbst zu erziehen? Wenn sie von morgens halb 8 bis nachmittags um 5 von anderen betreut werden müssen? Warum Kinder haben, wenn man gerade mal 3/4 Stunden pro Tag mit ihnen verbringt? – Ich versteh´s nicht.

Ich habe meinen Soll erfüllt. Drei Kinder zu haben ist ja schon sehr grenzwertig. Nahe des Asozialen. Aber wir haben viel Zeit mit unseren Kindern verbracht. Natürlich gab es finanzielle Defizite, aber wenigstens haben meine Kinder ein gefestigtes und sehr gutes Verhältnis zu mir.

Aber ich schweife ab. Worum es mir eigentlich geht, ist die Tatsache, daß in Bielefeld (ich glaube erstmalig) ein Bürgerentscheid stattfindet. Und zwar gibt es hier ein marodes Bad, das eigentlich schon eine Sanierung bewilligt bekommen hat, aber dennoch den ganzen Sommer unbenutzbar blieb. Einige fleißige Bürger haben eine Unterschriftenaktion gestartet und 10.000 Stimmen für die Sanierung gesammelt. Nun dürfen die Bürger wählen, ob das Bad saniert werden soll, oder nicht.  Alle Parteien sagen ein klares “Nein!”. Ausser die Linken. Die Argumente, warum Nein zum Bad, sind in erster Linie, daß das Geld für die Sanierung der Straßen und Schulen gebraucht wird. Und zudem hat Bielefeld 7 Bäder und lebe damit im Überfluss. Daß hier aber schon einige Bäder schließen mussten und wir nun mit weniger auskommen müssen, das haben die meisten vergessen. Viele der hiesigen Bäder sind zudem schon eigenständige Vereine, die wahrscheinlich kaum Geld von der Stadt bekommen. Die Stadt kann 12 Millionen Euro in die Sanierung des Ishara-Sauna-Spaß-Bades stecken, das von Familien oft nicht wegen des hohen Eintrittpreises genutzt wird, aber hat keine 2 Mio. für das Freibad Gadderbaum übrig? Die Kinder, die in Gadderbaum leben, können ja mit dem Rad bis in die anderen Stadtteile fahren. Aber wenn die Straßen so übersaniert werden, daß es Raser dazu einlädt noch mehr aufs Gas zu treten, wer will dann sein Kind die 4 Kilometer mit dem Rad allein fahren lassen?

Ihr wollt mehr Kinder? Eure Renten sollen gesichert werden? Dann tut wenigstens wirklich mal was für die Kinder! Saniert dieses Bad, baut schöne Spielplätze (bitte mit Wasserbereich!), schließt keine Jugendzentren mehr! Macht Kino erschwinglich und aus schönen Freiflächen keine Parkplätze oder Wohnblocks!

Ihr seht: Von mir gibt es ein klares Ja! zum Bad. Und ich hoffe, daß viele andere Bielefelder das genauso sehen.

Übrigens: 1050€ Mindestrente statt Flaschensammeln. Noch so´n schöner Spruch! Kleine Rechenaufgabe: Wenn ich von den 1050€ die Kosten für Miete, Strom, Gas, Telefon, Versicherungen, Medikamente, Arztkosten, etc. so abziehe, wie viel Geld bleibt dann noch zum Leben?

 Edit: Oh mir ist ein Fehler unterlaufen … – Das Ishara wurde nicht für 12 Mio. Euro saniert. Tatsächlich wurde für die Fertigstellung im Jahr 2000 24 Millionen Euro von der Stadt bezahlt, und in den Jahren seit bestehen zusätzlich 8,1 Mio. Euro für Sanierungen ausgegeben. Na ob sich das besser anhört? 

 

Ein Kommentar zu “Jede Stimme zählt. – Ja zum Freibad!”

  1. Gabi sagt:

    Oha, du bist wütend. Zurecht!

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