01

Dez

Ich bin mal Kaffeetrinken

Geht es Euch anderen Selbständigen auch so, daß die Menschen in Eurer Umgebung das, was Ihr macht, nicht immer richtig einschätzen können? Ich weiß nicht woher das kommt, aber die Anderen scheinen zu denken, daß wenn man zuhause arbeitet, man nicht richtig arbeitet. Als würde man den lieben langen Tag nichts Anderes tun, als Kaffe zu trinken. Das kann ich ja auch ein wenig verstehen, denn schließlich trinke ich ja auch Kaffee, wenn mich jemand besuchen kommt. Ich empfinde es als unhöflich, dann einfach weiter zu arbeiten. Daß ich innerlich unruhig werde, weil mir Zeit für Letzteres verloren geht, merken die Besucher ja auch nicht. Aber warum zählt nur ein 9 to 5-Job als richtige Arbeit? Was würde ich alles dafür geben, einen Raum außerhalb der privaten vier Wände zu haben. Einen Raum, sei es ein Atelier, eine Werkstatt, oder vielleicht auch ein Laden, wo ich meine Arbeit erledigen könnte. Von 9 Uhr morgens bis 5 Uhr Abends. Und wenn ich dann nach Hause komme, werden nicht mehr Anfragen per email erledigt, keine Materialeinkäufe getätigt, oder vielleicht noch das ein oder andere Produkt hergestellt …
Manchmal denke ich, diese Menschen brauchen Statistiken. Wie viele Bestellungen hat sie? Wie hoch sind die Einnahmen? Was hat sie verdient? Wie viel Zeit hat sie investiert? Aber, frage ich denn nach der Lukrativität ihrer Arbeit? Wir alle machen unseren Job. Die Hausfrau sorgt für ein schönes häusliches Umfeld, und daß die Kinder gut gedeihen, der Lehrer macht aus unseren Kindern – hoffentlich – gescheite Menschen, die Kassiererin versorgt uns mit Essen, der Busfahrer bringt uns von A nach B und der Arzt macht uns gesund. Aber was mache ich? Ist das alles nur Pillepalle, oder eine richtige Arbeit?
Ich sorge dafür, daß nette Menschen schöne Dinge ihr Eigen nennen, und daß sie ihren Lieben tolle Geschenke machen können.

Jetzt ist es viertel vor 7. Gleich frühstücke ich mit meinen Mädels, schicke die Große zur Schule und bringe die Kleine in den Kinderladen. Und danach, trinke ich meinen ersten Kaffee!

 

4 Kommentare zu “Ich bin mal Kaffeetrinken”

  1. Kersten sagt:

    Ich weiß was Du leistest,und ich ziehe den Hut wie Du alles Managst.

  2. Christiane sagt:

    Genauso sieht´s aus!
    Alle sind der Meinung, dass man nur einem Hobby nachgeht und es beeindruckt auch nur die Wenigsten, wenn man erwähnt, dass das Teil, an dem man gerade arbeitet heute noch fertig werden muss.
    Es ist schon manchmal frustrierend. Es gibt inzwischen Tage, an denen ich dir Tür zu lasse und nur der AB telefoniert.
    Naja, nächstes Jahr wird alles besser!
    Liebe Grüße,
    Christiane

  3. Oh das kenne ich so gut…die meisten haben völlig falsche Vorstellungen vom Selbstständigsein. Man macht das eben mal so nebenbei wenn man zuhause arbeitet…zwischendurch mal eine Waschmaschine und dies und das.
    Ich habe seit Mai ein Büro / Atelier und ich muss sagen, es tut einfach gut, jeden Tag “zur Arbeit” zu fahren und es ist merkwürdig das man auf einmal für andere plötzlich einen ganz anderen Stand hat. Ich bin froh diesen Schritt gewagt zu haben, auch wenn es manchmal schön wäre einfach mal zwischendurch zuhause ins Arbeitszimmer gehen zu können.
    Man muss sich einfach zwischendurch mal selbst loben und auch Auszeiten gönnen, damit man die Power behält.
    Ich wünsche dir viel Power
    Viele Grüße
    Sabine

  4. vintagekids sagt:

    Liebe Sabine, vielen Dank!

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