08

Apr

Unverkennbar

 

Schon auf halber Strecke erfreut es mich, daß die DDR nicht mehr DDR ist. Daß ich nicht mehr sechs Stunden bei Helmstedt zitternd auf dem Rücksitz des C Kadetts sitze und hoffen muss, daß die Grenzsoldaten, das für die Familie eingepackte Spiel “Deutschlandreise” nicht entdecken. Es war immer wieder ein Erlebnis! Mein Vater ist der, mit der Stasiakte … – Mit 16 Jahren hat er sich zwei Jahre vor dem Bau der Mauer in den Zug gesetzt und ist abgehauen, nachdem er eh schon immer unangenehm auffiel, weil er den morgendlichen Fahnenapell verweigerte. Böser Junge! Sein Herz – glaube ich – gehörte dennoch Berlin. Als ich klein war, da baute er die Berliner S-Bahn originalgetreu für seine H0 nach. Da muss er Monate dran gesessen haben! Und als wir dann 2001 in den Prenzlauer Berg zogen, da hat er sich bestimmt nicht von der 400km-Strecke zu uns abschrecken lassen. Lange ist das jetzt her. Nun macht mein Herz Freudensprünge, wenn wir den Weg nach Berlin antreten.

Die Strecke vom Alex bis zu unserem Haus, führt entlang am Babylon, einem alten Kino (vielleicht eines der ältesten noch genutzten Kinos Berlins) und der Volksbühne. Am Senefelder Platz steht dann dieses wunderschöne Haus, das damals noch Junkies, zündelnden Teens und Obdachlosen Zutritt gewährte (blöd, wenn man keine Klingelanlage hat). Heute erstrahlt es in seinem Glanz! Die Holzdielen in unserer alten Wohnung waren teilweise 30cm breit. Nicht so `n paar 08/15 Hölzer mit einer Maximalbreite von 10cm. Das Wohnzimmer allein hatte schon seine 40qm. Schön war`s.

Schon damals eröffneten an jeder Ecke Friseursalons mit außergewöhnlichen Namen und Einrichtungen. Aber einer der Ersten war das Vokuhila in der Kastanienallee.

Ein Berlinbesuch ohne die Begegnung mit Robben & Wientjes ist unmöglich. Manchmal schaffen die Kleinen es sogar bis nach Bielefeld, und lassen mich in Erinnerungen schwelgen.

Der Altkleidercontainer bringt noch heute meine Tränenproduktion auf Hochtouren. Als wir damals von Berlin nach Bielefeld zogen, hatte ich Säcke mit ausrangierten Sachen befüllt. Leider war ich so doof, daß ich den Beutel mit den Babysachen von Zoe, die ich für mich und meine Erinnerungen (ach weisst Du noch, der Strampler … – War sie da süüüß!) behalten wollte, direkt dem Herrn des Hauses zur Mitnahme zum besagten Container in die Hände drückte. NEIN!! Die ersten Schuhe … der 70er Jahre Strampler … dieser wunderschöne Alpaka-Pulli! Ein ganzer großer, blauer Sack voll mit den schönsten Erinnerungen. Futsch. Für immer vernichtet.

Blitzschneller Themenwechsel!
Bei Frau Tulpe war ich dieses Mal auch endlich. Wobei ich gestehen muss, das “endlich”  war unnötig. So toll finde ich den Laden und die Stoffauswahl dann doch nicht. Wieso nur schwärmen so viele von Frau Tulpe?
Die Bänder fand ich toll! Wie sie so schön bunt von der Decke hingen.

Und dann: Der Spätkauf in der Choriner Straße. Hier war ich schon damals Kunde. Nachdem 200 Meter weiter ein Supermarkt eröffnete, renovierte der Besitzer die angrenzende Wohnung des Spätkaufs und vermietet nun die Zimmer. Im Spätkauf gibt es nach wie vor alles, was zu den Grundnahrungsmitteln gehört. Schokolade, Bier, Tabakwaren, Wurscht, Mülsch, … Wer lieber einen Latte oder Cappuccino trinken möchte, der kann es sich damit im oder vor dem Spätkauf gemütlich machen und sich dazu noch einen selbstgebackenen Kuchen gönnen. Hier wird noch Berlinert. Eine Freude für meine Ohren!

Berlin, ick liebe Dir!

 

5 Kommentare zu “Unverkennbar”

  1. mbecher sagt:

    Ach, schee war’s wieder. Obwohl ich ja ehedem das Schwäbische dem Berlinerischen deutlich vorziehe ;)

  2. Gabi sagt:

    Tolle Bilder, und eine schöne Geschichte :). Danke!

  3. Kersten sagt:

    sehr sehr schöööööön

  4. Christiane sagt:

    mmh… kommt mir doch auch alles sehr bekannt vor und das mit Frau T kann ich nachvollziehen… ich gehe lieber zu Kiseki ins O3 oder zu Mama Makada auf der Danziger, wenn ich was besonderes suche oder in einen der zahlreichen Kiezgeschäfte die oft auch schöne Stoffe haben… liebe Grüße aus dem Kiez..

  5. danke für den post, da bekomm ich gleich etwas Heimweh.. aber irgendjemand muss ja in München wohnen, nicht?!
    Für mich sind ja die Robben DAS Wahrzeichen von B.
    Schöne Ostern dir!!
    Claudia

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