21

Aug

Wrom! Wrom!

“Früher.
Ein schmerzhaftes Wort im Zusammenhang mit der Vergänglichkeit von Schönheit. Früher also: Mein Gesicht hatte diesen erwartungsvollen Glanz. Da kommt noch was. Da lauert noch jede Menge mehr Leben. (…)
Meine Brüste waren aufmerksam, wachsam, rebellisch. Widersetzten sich der Schwerkraft. Vorwitzig, zum Himmel gereckt wie Antennen. Filetstückchen.
Mein Po? War wahrscheinlich größer als heute, runder, ja: dicker. Ich hab ihn oft nicht gemocht. Aber er war auch etwas ganz besonderes. Das Zentrum meiner Art mich zu bewegen. Ein außergewöhnlicher Schwung in der Körpermitte. Mein Rhythmus. Bang, bang, bang. Eine Links-rechts-zack-um-die-Ohren-Bombe.
Meine Haut und meine Haare hatten immer die richtige Portion Sonne. Meine Beine hatten mein Rennrad. (…) Ich war vielleicht kein Ferrari, aber ich war ein solider Porsche, ein durchschnittliches Geschoss. Die Männer verrenkten sich schon mal die Hälse nach mir. (…) nicht mehr funkelnagelneu, hatte mir doch noch nicht allzu viel den Lack zerkratzt. Darauf war ich nicht stolz, das war ja keine Leistung, sondern eine großzügige Laune der Natur, aber es gefiel mir natürlich.
Inzwischen hat mein Lack ein paar ziemliche Schrammen. Der Porsche ist in den letzten Jahren ganz schön gefahren worden. Und scheckheftgepflegt sieht anders aus. Gut. Man bemerkt das nicht auf den ersten Blick. Wenn ich in klugen Klamotten mit schickem Make-up unter einem Baum in freundlichem, weichem Licht stehe oder mich abends gekonnt neben einer Kerze platziere, sieht man wahrscheinlich gar nichts. Aber wenn ich aus der Dusche komme und das um meinen Körper gewickelte Handtuch von meinem ehemaligen Superbusen abrutscht, weil da nicht mehr viel ist, was das Handtuch halten könnte, ist es nicht zu verheimlichen: Diese Frau war schwanger, sie hat ein Kind bekommen und es gestillt, und sie hat offensichtlich keine Zeit, zum Bikinizonen-Waxing zu gehen. (…)
Den gnadenlosen Blick, mit dem ich gewohnt bin mich zu mustern, ein bisschen aufzuweichen. Mich liebevoll anzusehen. Die Geschichte hinter dem in meinen Augen so angeknacksten Körper zu sehen. Die fabelhafte Geschichte. Die gigantische Leistung: Ich habe aus einem Zellklumpen ein Kind zusammengebaut. Ich habe dafür unglaubliche Mengen an Obstquark vertilgt. Und ich war das Kraftwerk, das mein Kind fast ein ganzes Jahr ernährt hat.
Sehen wir es einfach so: Der schnieke Porsche ist einmal um die Welt gebrettert. Das hat natürlich ein paar Spuren hinterlassen, am Motor, am Getriebe, am Lack, und, ja, auch an der Innenausstattung. Aber, hey: War das nicht eine geile Tour? Viel gesehen, viel gefühlt.
Und was Autos angeht gibt´s doch sowieso nichts Schöneres als einen alten Porsche.”

(Auszug aus der aktuellen NIDO)

Ein Kommentar zu “Wrom! Wrom!”

  1. Angela sagt:

    ohweia .. .. also denken nicht nur ich so .. Wenn ich nach der Dusche mich betrachte , denke ich .. so komme ich nicht durch den nächsten TÜV – eine Generalüberholung längst fällig *überfällig* Hüstel* .. unrasierte Beine sind da nur das geringere Problem .. Problemzonen sind zwar keine auf den ersten Blick zu erkennen. Nun denn , aber die Bauchmuskulatur eher fragwürdig als nicht vorhanden -einmal Lifting- Bitte . Die Brüste – früher viel zu groß und jetzt ausgelutscht von 7 Gören nur noch klein und noch nicht mal ne Handvoll – Pushup nur nee Mogelpackung . Keine tollen Nägel , Farbe haben sie – wie meine Haare schon lange wieder nötig .. Nun denn , aber ich denke 7 Würmer sind klasse. Haben ihre Spuren hinterlassen. trotzdem ist aber immer noch eine Spur von Schönheit da- alt aber ansehbar. Wie ein mittelprächtig gepflegter Oldtimer .. und auch für diese Oldtimer finden sich Liebhaber .. so wie wenn ich an meine 2CV denke. mein erstes Auto , was ich mit Wehen mit meiner Großen vor 21 Jahren gekauft habe . Mittlerweile eine sagenhafte Summe auf dem Automarkt kostet.. also müsste ich mittlerweile eine 5stellige Summe wert sein .. bei dem was geleistet , nach Wartungsstand und jetztiger noch funktionierender Leistung :)

    Angela

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